{"id":1123,"date":"2017-02-18T21:03:57","date_gmt":"2017-02-18T20:03:57","guid":{"rendered":"http:\/\/comedordelarte.at\/?p=1123"},"modified":"2017-02-18T21:18:38","modified_gmt":"2017-02-18T20:18:38","slug":"deutsch-greif-nach-den-sternen-schwester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/comedordelarte.at\/de\/blog\/deutsch-greif-nach-den-sternen-schwester\/","title":{"rendered":"Greif nach den Sternen, Schwester"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Nabizada.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1122\" src=\"http:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Nabizada-197x300.jpg\" alt=\"\" width=\"145\" height=\"221\" srcset=\"https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Nabizada-197x300.jpg 197w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Nabizada.jpg 312w\" sizes=\"auto, (max-width: 145px) 100vw, 145px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Greif nach den Sternen, Schwester \u2013 so lautet der Buchtitel der Lebensgeschichte von Latifa Nabizada, die von der Journalistin und Nahost-Expertin Andrea C. Hoffmann in Ichform niedergeschrieben worden ist. Ich habe dieses Buch \u201cverschlungen\u201c wie selten eines. Daher m\u00f6chte ich diesen Blog nutzen und es weiter empfehlen. Denn es gibt einige sehr gute Gr\u00fcnde, das Buch von Latifa Nabizada zu lesen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Geschichte erz\u00e4hlt das Leben einer sehr au\u00dfergew\u00f6hnlichen Frau<\/strong>. Latifa Nabizada schloss gemeinsam mit ihrer Schwester als erste Frau Afghanistans die Ausbildung zur Hubschrauberpilotin ab. Wie sich ein solcher Weg f\u00fcr eine Frau in einer traditionell sehr patriachalischen Gesellschaft trotz aller Widrigkeiten gestalten l\u00e4sst, wie sie immer wieder k\u00e4mpfte und unkonventionelle L\u00f6sungen fand, um Kind, Haushalt und diesen Extremjob zu bew\u00e4ltigen, l\u00e4sst mich nur staunen. Ihr Selbstbewusstsein als Frau und ihr Streben nach Gleichberechtigung unter schwierigsten Umst\u00e4nden ist gerade f\u00fcr eine westliche Frau wie mich, die viel mehr Freiheiten mit gro\u00dfer Selbstverst\u00e4ndlichkeit genie\u00dft, vorbildlich.<\/p>\n<p><strong>Die Geschichte beginnt zur<\/strong><strong> Zeit der sowjetischen Besatzung, beschreibt weiter die Mudschaheddin-Regierung und die Taliban-Macht\u00fcbernahme und endet 2014, als sich die USA nach 13-j\u00e4hrigem Kampfeinsatz aus Afghanistan zur\u00fcckzogen.<\/strong> Das Buch hat f\u00fcr mich die historischen Abl\u00e4ufe der letzten 40 Jahre in Afghanistan etwas klarer werden lassen, speziell die politischen \u00dcberg\u00e4nge und die damit verbundene jeweilige Problematik in dieser auch innerafghanisch so zersplitterten Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Die Lebensgeschichte dieser au\u00dfergew\u00f6hnlich mutigen Frau ist einzigartig und \u00e4hnelt doch in Details zahlreichen mir inzwischen schon bekannte Erz\u00e4hlungen von Menschen, die nach \u00d6sterreich gefl\u00fcchtet sind<\/strong><strong>.<\/strong> Latifa Nabizada war schon als Pilotin ein Star gewesen, durch die Herausgabe dieses Buches im Jahre 2014, das auch in Afghanistan gelesen wurde und aufgrund ihrer engagierten Arbeit als Leiterin der Abteilung f\u00fcr Menschenrechte und Genderpolitik im Verteidigungsministerium machte sie sich aber zu einem ganz besonderen Angriffsziel der Taliban. Das Gef\u00fchl der dauernden Bespitzelung, wem ist eigentlich zu trauen?, das Erhalten von Drohbriefen bis zum Erst\u00fcrmen des eigenen Wohnhauses durch Taliban, die zunehmende Rechtsunsicherheit, all das l\u00e4sst sich in ihrem Buch gut nachf\u00fchlen.<br \/>\nAuch in Hainfeld lebten oder leben einige geb\u00fcrtige Afghanen, die in irgendeiner Form f\u00fcr die westlichen Truppen oder UNO-Programme gearbeitet haben &#8211; sei es als Bewacher, Polizisten, Dolmetscher, \u00c4rzte, Schauspieler oder einfach nur Gastgeber &#8211; und dadurch auf die Abschusslisten der Taliban geraten waren. Mit diesem Buch kann ich ihre Geschichte nun auch ein St\u00fcck weit besser nachvollziehen.<\/p>\n<p>Heute lebt Latifa Nabizada in \u00d6sterreich und hofft auf einen positiven Asylbescheid. 2016 gl\u00fcckte ihr auf Einladung des \u00f6sterreichischen PEN-Clubs gemeinsam mit ihrer Tochter die Flucht. Sie ist sich sicher, dass sie in Afghanistan inzwischen nicht mehr am Leben w\u00e4re. Im Zuge des Abzugs der amerikanischen Truppen wurde die Bedrohung durch die Taliban immer massiver und brachte nicht nur sie, sondern auch ihre ganze Gro\u00dffamilie in eine prek\u00e4re Sicherheitslage. Den Frieden und die Sicherheit in \u00d6sterreich empfindet sie als gro\u00dfen Luxus. Einfach sein Kind in die Schule schicken k\u00f6nnen ohne dabei \u00c4ngste ausstehen zu m\u00fcssen&#8230;<\/p>\n<p>Ich empfehle jedem\/jeder, der\/die sich speziell f\u00fcr Menschen aus Afghanistan interessiert, dieses Buch zu lesen. Es ist kurzweilig und leicht verst\u00e4ndlich geschrieben \u2013 und es erz\u00e4hlt uns viel mehr als nur eine einzige Lebensgeschichte.<\/p>\n<p><em>\u00a0Alexandra Eichenauer-Knoll<\/em><\/p> ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Greif nach den Sternen, Schwester \u2013 so lautet der Buchtitel der Lebensgeschichte von Latifa Nabizada, die von der Journalistin und Nahost-Expertin Andrea C. Hoffmann in Ichform niedergeschrieben worden ist. 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