{"id":2128,"date":"2019-07-24T20:31:23","date_gmt":"2019-07-24T18:31:23","guid":{"rendered":"http:\/\/comedordelarte.at\/?p=2128"},"modified":"2019-07-25T15:02:51","modified_gmt":"2019-07-25T13:02:51","slug":"deutsch-lehrer-franz-und-seine-lieben-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/comedordelarte.at\/de\/blog\/deutsch-lehrer-franz-und-seine-lieben-kinder\/","title":{"rendered":"Lehrer Franz und seine lieben Kinder"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<h5>Die Herbstausgabe 2019 der Stadtmarketingzeitung HAINFELDER hat sich diesmal das Thema Bildung vorgenommen. Auch der Comedor del Arte ist eine Bildungseinrichtung in Hainfeld, wo Workshops, Deutschlerngruppen und Hausaufgabenbegleitung angeboten werden. Ein guter Anlass, in diesem Blogbeitrag einmal \u00fcber das Thema Bildung zu schreiben. Das Gespr\u00e4ch mit Franz Witzmann, der den Comedor und die Lerngruppen leitet, f\u00fchrte Alexandra Eichenauer-Knoll.<\/h5>\n<h4><a href=\"http:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Lehrer-Franz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2127\" src=\"http:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Lehrer-Franz-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Lehrer-Franz-300x169.jpg 300w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Lehrer-Franz-768x432.jpg 768w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Lehrer-Franz.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/h4>\n<p><strong>Lieber Franz, du hattest als Kind und auch noch als Jugendlicher einen fixen Berufswunsch: Lehrer werden. Nach einigen beruflichen Umwegen wie Polizist, Masseur, Kellner, Theaterproduktionsassistent, Botenfahrer, Lagerangestellter, Redakteur und Buchautor (um nur die wichtigsten Jobs aufzuz\u00e4hlen), bist du nun doch noch im Lehrberuf angekommen. Du begleitest im Auftrag der Volkshilfe Jugendliche als Lehrlingscoach, bist in der Volksschule Hainfeld einmal w\u00f6chentlich als Lesepate t\u00e4tig und betreust im Comedor del Arte Kinder und Erwachsene beim Deutschlernen. Wie f\u00fchlt sich das an?<br \/>\n<\/strong>Franz: All diese T\u00e4tigkeiten sind herausfordernd, aber auch sehr inspirierend. Herausfordernd, weil man laufend mit neuen Situationen und Menschen konfrontiert ist, inspirierend, weil man von jedem Menschen auch etwas Neues lernen kann. Es ist viel Flexibilit\u00e4t und Spontanit\u00e4t gefragt, damit man auf die einzelnen Menschen mit ihrem ganz speziellen Wissensstand und ihren Bed\u00fcrfnissen eingehen kann. So betreue ich zurzeit Menschen bei der Alphabetisierung und auf den Levels A1 und A2. Danach kommt aber auch ein angehender Arzt zu mir, der die Nostrifizierung schon abgeschlossen hat, und mit dem ich f\u00fcr die C1 Pr\u00fcfung lerne. Auch ein aus der Ukraine stammender Verkaufsmitarbeiter, der im Ort besch\u00e4ftigt ist und sehr gutes Deutsch spricht, kommt w\u00f6chentlich zu mir. Mit ihm \u00fcbe ich Verkaufsgespr\u00e4che in hiesiger Mundart.<\/p>\n<p><strong>Es gab im Comedor 2018 auch ein Jahr lang das Angebot mit Theaterspielen Deutsch zu lernen. Diese Workshops wurden von der Theaterp\u00e4dagogin Emina Eppensteiner geleitet. Ein fr\u00f6hliches Bild h\u00e4ngt zur Erinnerung daran im Comedor \u00fcber dem Klavier. Was ist davon noch h\u00e4ngengeblieben?<br \/>\n<\/strong>Ganz wesentlich beim Spracherwerb und wichtig f\u00fcr Integration ist die M\u00f6glichkeit, sich mit Deutsch Sprechenden austauschen zu k\u00f6nnen. Lernen passiert ja auch durch oftmaliges Wiederholen. Gewisse Standardkommunikationen in spielerischer Art einzulernen und zu wiederholen f\u00f6rdert auch den Umgang im Alltag. Spielerisches und authentisches Lernen kommen da zusammen.<\/p>\n<p><strong>Jetzt im Sommer sind die Lerngruppen vormittags, Kinder und Erwachsene sind daran beteiligt. Ist da eine andere Stimmung sp\u00fcrbar?<br \/>\n<\/strong>Ja es ist vor allem eine andere Qualit\u00e4t des Lernens. W\u00e4hrend ich mit den Erwachsenen \u00dcbungen mache, spielen die Kinder meistens im Raum oder vor dem Haus. Es kommt dann immer wieder vor, dass ich Fragestellung an die Erwachsenen richte, ein Kindergartenkind aber als erstes die richtige Antwort gibt. Wie nebenbei. Die Kinder lernen alleine durch H\u00f6ren und Anwesendsein die Sprache.<\/p>\n<p><strong>Wie ist das mit der Motivation? Gefl\u00fcchtete Menschen haben in den ersten Monaten oft eine sehr hohe Motivation anzukommen und zu lernen. Je l\u00e4nger das Asylverfahren dauert, desto psychisch belastender wird der Zustand des Wartens und der Ungewissheit. Das wirkt sich auch auf den Lernfortschritt aus. Die Leute klagen \u00fcber Kopfweh etc. Wie erlebst du das?<br \/>\n<\/strong>Die oftmals \u00fcberlangen Verfahren sind sehr belastend, das stimmt. Es kommt aber trotzdem auf den einzelnen Menschen an, wie er oder sie damit umgeht. Es ist bei einigen Menschen so deutlich zu sehen, sie wollen hier sein und suchen aktiv eine sinnvolle Besch\u00e4ftigung, obwohl sie vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. Hier versuche ich auch anzusetzen. Je mehr Struktur ein Mensch hat und je mehr Aufgaben und Termine er wahrnehmen kann, umso leichter kommt er mit der Situation zurecht. Das Lernen und die regelm\u00e4\u00dfigen Lerntermine geben ja auch Struktur. Die eifrigste Sch\u00fclerin derzeit ist eine Mutter von zwei Kindern, die durchaus den ganzen Tag besch\u00e4ftigt w\u00e4re, aber nicht nur in den Kursen, sondern dar\u00fcber hinaus auch zu Hause lernt. Jemand, der im Gegensatz dazu den ganzen Tag nichts zu tu hat, kommt viel mehr ins Gr\u00fcbeln und Verzweifeltsein.<\/p>\n<p><strong>Wie viele gefl\u00fcchtete Menschen sch\u00e4tzt du hast du in deinem Leben schon betreut?<br \/>\n<\/strong>Ich habe schon vor 15 Jahren angefangen mit der Betreuunng von zwei tschetschenischen Familien. 2011 habe ich dann Kontakt zu meinem Freund Moh bekommen, der damals am Klammgruberhof einquartiert war und \u00fcber ihn lernte ich uigurische Frauen in Altenmarkt kennen. Im Sommer 2013 habe ich dann mit Deutschkursen bei mir zu Hause angefangen, im Herbst 2013 begann ich dann f\u00fcr die Diakonie ehrenamtlich Kurse abzuhalten. Die Deutschkurse am Klammgruberhof habe ich bis ins Fr\u00fchjahr 2017 gef\u00fchrt. Manchmal waren dort bis zu bis zu 30 Personen. 2015\/16 war die Pension zeitweise so \u00fcberf\u00fcllt, dass ich den Deutschkurs im Freien abhalten musste. Parallel dazu haben wir 2016 angefangen, auch im Comedor Deutschlerngruppen anzubieten. Egal wo, die Schwierigkeit bestand immer darin, dass nach 2-3 Monaten die Gruppen auseinanderbrachen, weil alte Leute wegkamen und Neue dazu. Die Neuank\u00f6mmlinge abzuholen, ihnen eine Einstieg zu bieten, das war dann immer die Herausforderung.<\/p>\n<p><strong>Die bist inzwischen zertifizierter Daf\/Daz Trainer. Hat sich dein Unterricht nach der Ausbildung 2017 wesentlich ge\u00e4ndert?<br \/>\n<\/strong>Ich habe interessante sprachwissenschaftliche Erkennnisse und Methoden kennengelernt, die durchaus in den Unterricht einflie\u00dfen. Ich habe andersrum aber auch viele eigene Erfahrungen in den Kurs einbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Was sind so deine augenf\u00e4lligsten Beobachtungen als Lehrer?<br \/>\n<\/strong>Mir ist \u00fcber die Zeit aufgefallen, dass immer wieder sehr motivierte und flei\u00dfige Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler dabei waren. Bei Frauen oder M\u00e4dchen aus Afghanistan, denen Bildung und Schule verwehrt waren, ist aber eine ganz besondere Begeisterung und Freude am Lernen-d\u00fcrfen zu beobachten. Das sieht man selten.<\/p>\n<p><strong>Noch eine ber\u00fchrende Anekdote zum Abschluss?<br \/>\n<\/strong>Die Zeit, w\u00e4hrend ich im Klammgruberhof unterrichtet habe, waren Sch\u00fcler dabei, die noch nie ein Schule besucht haben. Sie haben einfach die Buchstaben abgezeichnet. Wenn sie an der Reihe waren, wurden ihnen die Buchstaben von Kollegen eingesagt. Als einer dieser Sch\u00fcler nach einenhalb Jahren zum ersten Mal seinen ersten Satz selbstst\u00e4ndig lesen konnte, haben alle applaudiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Danke an unsere F\u00f6rdergeber,\u00a0 die Bildung im Comedor del Arte m\u00f6glich machen:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/LE-Leader-CofinanzierungshinweisNeu032018.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1785\" src=\"http:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/LE-Leader-CofinanzierungshinweisNeu032018-300x49.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"49\" srcset=\"https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/LE-Leader-CofinanzierungshinweisNeu032018-300x49.jpg 300w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/LE-Leader-CofinanzierungshinweisNeu032018-768x124.jpg 768w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/LE-Leader-CofinanzierungshinweisNeu032018-1024x166.jpg 1024w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/LE-Leader-CofinanzierungshinweisNeu032018.jpg 1822w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Privatstiftung-Sparkasse-Hainfeld-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-322\" src=\"http:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Privatstiftung-Sparkasse-Hainfeld-Kopie-300x61.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"61\" srcset=\"https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Privatstiftung-Sparkasse-Hainfeld-Kopie-300x61.jpg 300w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Privatstiftung-Sparkasse-Hainfeld-Kopie-768x155.jpg 768w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Privatstiftung-Sparkasse-Hainfeld-Kopie-1024x207.jpg 1024w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Privatstiftung-Sparkasse-Hainfeld-Kopie-1200x243.jpg 1200w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Privatstiftung-Sparkasse-Hainfeld-Kopie.jpg 1919w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Tu-was-Logo-Mostviertel-Mitte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-133\" src=\"http:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Tu-was-Logo-Mostviertel-Mitte-194x300.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Tu-was-Logo-Mostviertel-Mitte-194x300.jpg 194w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Tu-was-Logo-Mostviertel-Mitte.jpg 482w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><\/p> ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Herbstausgabe 2019 der Stadtmarketingzeitung HAINFELDER hat sich diesmal das Thema Bildung vorgenommen. 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