{"id":3156,"date":"2024-06-21T17:45:02","date_gmt":"2024-06-21T15:45:02","guid":{"rendered":"https:\/\/comedordelarte.at\/?p=3156"},"modified":"2024-06-21T17:52:42","modified_gmt":"2024-06-21T15:52:42","slug":"deutsch-brot-und-rosen-ein-wichtiger-essay-zum-thema-armut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/comedordelarte.at\/de\/blog\/deutsch-brot-und-rosen-ein-wichtiger-essay-zum-thema-armut\/","title":{"rendered":"Brot und Rosen &#8211; ein wichtiger Essay zum Thema Armut"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie, hat 2024 ein schmales B\u00fcchlein von 70 Seiten im Taschenbuchformat ver\u00f6ffentlicht. Es ist ein Essay, den jede\/r lesen sollte, der oder die beim Thema Armut mitreden m\u00f6chte. Der Titel \u201eBrot und Rosen\u201c bezieht sich auf eine Forderung von Textilarbeiterinnen in Massachusetts vor etwas 100 Jahren, die sich nicht nur f\u00fcr ein besseres Einkommen, sondern auch f\u00fcr Anerkennung und Vertrauen einsetzten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Autor verweist auf zahlreiche Studien, die alle best\u00e4tigen: Wer arm ist, wird in mehrfacher Hinsicht zus\u00e4tzlich bestraft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Armut ist einer der existenziellsten Formen von Freiheitsverlust, so Schenk, denn durch sie wird auch der M\u00f6glichkeitsraum geraubt, zB auf freie Entscheidungen oder Erholungsphasen. Dauerstress, Diskriminierung und sp\u00fcrbare Vorurteile wirken sich auf die Aufmerksamkeitsspanne aus und schw\u00e4chen so indirekt die Leistungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die langl\u00e4ufige Meinung fordert aber genau das Gegenteil: Strengt euch doch einfach mehr an! Denn die s\u00e4kulare, meritokratische Ordnung von heute, das weltliche \u201eWohlstandsevangelium\u201c, so Schenk, macht uns glauben: \u201eJeder schafft es, wenn er nur will\u201c. Noch fragw\u00fcrdiger wird es, wenn dieses Dogma noch moralisch aufgeladenen wird im Sinne von: \u201eDie Erfolgreichen schaffen es aus eigener Kraft, doch ihr Erfolg bescheinigt ihre Tugend.\u201c An diesem Punkt kann es sich der Sozialexperte nicht verkneifen, auf das lutherische Verst\u00e4ndnis von Gnade als unverdientes Geschenk hinzuweisen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vorurteile wie diese erzeugen bei den Betroffenen Besch\u00e4mung, Ohnmacht und Einsamkeit. Was gerade einkommensschwache Menschen aber br\u00e4uchten, w\u00e4ren Freunde, Respekt und Wertsch\u00e4tzung und durchaus auch Erholung und Kulturerlebnisse. Sonst verlieren sie die M\u00f6glichkeit auf sinnstiftende Beziehung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es f\u00fchrt zu weit, alles genau zu beschreiben, spannend fand ich auch den Hinweis, zwischen Sach- und Dienstleistungen zu differenzieren. W\u00e4hrend Dienstleistungen wie zB Pflegehilfe oder Kinderbetreuung die Handlungsspielr\u00e4ume der Betroffene erweitern, wird mit Sachleistungen der gegenteilige Effekt erzielt. Diese reduzieren die Selbstst\u00e4ndigkeit, erzeugen ein Gef\u00fchl von Entm\u00fcndigung. Hiervon k\u00f6nnten Entscheidungstr\u00e4ger in diesem Land lernen. Von der aktuell diskutierten Bezahlkarte f\u00fcr Grundversorgungsempf\u00e4nger schreibt der Autor nichts, diese Idee ist wohl noch zu frisch. Die ersten Berichte deuten aber darauf hin, dass sie den Freiheitsspielraum noch mehr einengt und die Verzweiflung erh\u00f6ht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer glaubt, Armut betr\u00e4fe ihn oder sie nicht und kenne auch keine Betroffenen, dem sollte dieser Hinweis von Martin Schenk zu denken geben: \u201eSie (Anm.: die Armutsbetroffenen) sind eine Art soziales Fieberthermometer, an dem sich negative gesellschaftliche Entwicklungen, die sp\u00e4ter viele treffen, Monate vorab zeigen.\u201c<\/p>\n<p>Herzlichst, Alexandra Eichenauer-Knoll<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_3158\" aria-describedby=\"caption-attachment-3158\" style=\"width: 193px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/BrotRosen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3158\" src=\"https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/BrotRosen-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/BrotRosen-193x300.jpg 193w, https:\/\/comedordelarte.at\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/BrotRosen.jpg 395w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3158\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot<\/figcaption><\/figure><\/p> ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie, hat 2024 ein schmales B\u00fcchlein von 70 Seiten im Taschenbuchformat ver\u00f6ffentlicht. 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