{"id":631,"date":"2016-06-09T10:03:50","date_gmt":"2016-06-09T08:03:50","guid":{"rendered":"http:\/\/comedordelarte.at\/?p=631"},"modified":"2016-06-12T12:41:49","modified_gmt":"2016-06-12T10:41:49","slug":"deutsch-hundertmal-wiederholen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/comedordelarte.at\/de\/blog\/deutsch-hundertmal-wiederholen\/","title":{"rendered":"Hundertmal wiederholen"},"content":{"rendered":"<p>Der Fl\u00fcchtlingsdienst der Diakonie St. P\u00f6lten organisierte am Samstag, dem 4. Juni 2016, eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema \u201eWie kann man Fl\u00fcchtlinge sinnvoll beim Spracherwerb begleiten &#8211; Orientierungshilfen und Tipps f\u00fcr die Freiwilligenarbeit&#8220;. \u2028Der Kurs unter der Leitung von Andrea Sch\u00fctte-Vojacek, DAF Trainerin im IBZ St. P\u00f6lten, war f\u00fcr mich so aufschlussreich, dass ich hier gerne die f\u00fcr mich wichtigsten Erkenntnisse mitteilen m\u00f6chte. Vielleicht sind sie ja auch f\u00fcr andere ehrenamtliche DeutschkursleiterInnen und BesucherInnen unserer Website interessant:<\/p>\n<ul>\n<li>Langsam und schrittweise vorgehen, max. 10 Vokabel auf einmal erkl\u00e4ren. (Ein Wort muss 100x wiederholt werden, bis es im aktiven Wortschatz gut gefestigt ist!) Zur Verdeutlichung legte unsere Trainerin Bilder mit Lebensmitteln auf und lie\u00df uns dazu die entsprechenden ungarischen W\u00f6rter \u00fcben. Zuerst die ersten f\u00fcnf, dann die n\u00e4chsten f\u00fcnf W\u00f6rter wurden von uns sieben Teilnehmerinnen nacheinander laut nachgesprochen. Etwas sp\u00e4ter wurden K\u00e4rtchen verteilt mit den entsprechenden geschriebenen W\u00f6rtern und wir hatten die Aufgabe, an der Tafel diese K\u00e4rtchen den richtigen Bildern zuzuordnen. In der Gruppe war diese Aufgabe l\u00f6sbar.<\/li>\n<li>Daraus folgt auch: m\u00fcndlich ist wichtiger als schriftlich. Es n\u00fctzt wenig, Hefte mit Vokabel vollzukritzeln, wenn man sich nicht getraut zu sprechen. (Prim\u00e4re Analphabeten werden in den Kursen Alpha 1 und Alpha 2, die das IBZ St. P\u00f6lten anbietet, vor allem auf das H\u00f6ren und Sprechen trainiert; B\u00fccher kommen erst im Kurs A0.)<\/li>\n<li>Daraus folgt auch: wiederholen, wiederholen, wiederholen!<\/li>\n<li>Anspr\u00fcche zur\u00fcckschrauben: Andrea Sch\u00fctte-Vojacek empfahl uns, keine Grammatik zu unterrichten. Ich habe es f\u00fcr mich pers\u00f6nlich so umformuliert: so wenig Grammatik wie m\u00f6glich. Auch die Benennung so einfach wie m\u00f6glich machen: z. B. statt <em>Singular<\/em> und<em> Plural<\/em> <em>eins<\/em> und<em> viele<\/em> sagen)<\/li>\n<li>Artikel nicht \u00fcberbewerten!<\/li>\n<li>Das Sprechen in ganzen S\u00e4tzen ist einzufordern: <em>Das ist ein Tisch. Das ist ein Apfel.\u00a0<\/em> Diese ganzen S\u00e4tze k\u00f6nnen durchaus formelhaften Charakter haben:<em> Ich m\u00f6chte bitte einen Apfel. Ich m\u00f6chte bitte eine Fahrkarte.<\/em><\/li>\n<li>Genauso wie beim Sprechen nicht zuviel korrigiert werden sollte, um die Lernenden nicht zu entmutigen, so ist es auch nicht wichtig, jedes einzelne Wort zu erkl\u00e4ren. Besser ist es, globales Verst\u00e4ndnis zu trainieren, und z. B. bekannte W\u00f6rter unterstreichen zu lassen.<\/li>\n<li>Das Wissen sollte m\u00f6glichst abwechslungsreich vermittelt werden, z. B. auch in Kombination mit Bewegung, Singen oder Spielen. Stichwort: Lernen mit allen Sinnen. Geeignete Spiele sind Memory, Bingo, Quartett, W\u00fcrfelspiele (z. B. zum Thema Konjugieren 1:ich \u2013 6:sie), Rollenspiele<\/li>\n<li>Die Materialien sollten authentisch und aus dem Leben gegriffen sein (z. B. Werbeprospekte, Kalender).<\/li>\n<li>N\u00fctzlich: Karteikarten anlegen. Ich habe das gestern gleich ausprobiert, wir \u00fcbten verschiedene W\u00f6rter erst in einem Spiel, dann schrieben die drei anwesenden Sch\u00fclerInnen die 15 neuen W\u00f6rter (jede\/r f\u00fcnf) auf Karteikarten im A6-Format. Das n\u00e4chste Mal werde ich diese Karten nehmen und sie bitten, das richtige Bild zu finden.<\/li>\n<li>Nicht Du und Sie gleich mischen; leichter ist es, erstmal mit Sie zu beginnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Noch ein AHA-Erlebnis<\/strong>: Im Arabischen werden die Selbstlaute nicht zu Papier gebracht. So w\u00fcrde man nach dieser Regel das Wort Name nur mit Nm niederschreiben. Dieser Hinweis ist eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum die Aussprache und Unterscheidung der einzelnen Vokale f\u00fcr unsere Sch\u00fclerInnen nicht so einfach ist.<\/p>\n<p><strong>Zusatzinfo: Was ist Elongo?<\/strong><br \/>\nDer Kurs war eigentlich f\u00fcr Elong\u00f3-Buddies ausgeschrieben. Ich konnte aber einen der frei gebliebene Pl\u00e4tze ergattern und freundlicherweise auch teilnehmen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/fluechtlingsdienst.diakonie.at\/einrichtung\/integrations-und-bildungszentrum-st-poelten\/elongo-das-buddy-projekt-im-ibz-st-poelten\">Was ist Elongo?<\/a> Elong\u00f3 ist ein Ehrenamtlichenprojekt des Integrations-und Bildungszentrums (IBZ) St. P\u00f6lten, Maximilianstra\u00dfe. Sogenannte &#8222;Buddies&#8220; treffen &#8211; sozialarbeiterisch begleitet und unterst\u00fctzt &#8211; \u00fcber einen vereinbarten Zeitraum regelm\u00e4\u00dfig Fl\u00fcchtlinge und helfen diesen, sich in \u00d6sterreich zu orientieren und ein neues Leben aufzubauen, die neue Sprache zu \u00fcben, Kontakte zu kn\u00fcpfen und sich &#8222;zuhause&#8220; zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Herzliche Gr\u00fc\u00dfe, Alexandra Eichenauer-Knoll<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PS, n<em>och etwas Pers\u00f6nliches:<\/em> <\/strong><em>F\u00fcr mich war das Spiel mit den ungarische Vokabeln nicht nur aus p\u00e4dagogischer Sicht interessant. Ich hatte als Studentin ein Jahr lang am finnisch-ugrischen Institut Ungarisch inskribiert und lernte die Sprache damals mit Feuereifer. Ich wollte nachholen, was mir meine Mutter, eine geb\u00fcrtige Ungarin, nicht gelehrt hatte \u2013 ihre Muttersprache zu sprechen. Nach einem Jahr gab ich dieses Unterfangen auf und wechselte zu Spanisch, weil diese Sprache international und gut kompatibel mit meinem Wirtschaftsstudium war.<br \/>\nDas war aber nicht der tiefere Grund, warum ich das Erlernen des Ungarischen bleiben lie\u00df. Es war wohl eher das Unverst\u00e4ndnis meiner Mutter, das mich entmutigte. F\u00fcr sie war die alte Heimat l\u00e4ngst und unwiederbringlich verloren, ihr schienen meine Versuche, auch wenn sie es freundlich zu verbergen suchte, sinnlos. Als wir im Seminar die W\u00f6rter mit Andrea \u00fcbten &#8211; nat\u00fcrlich um selbst zu sp\u00fcren, wie schwierig es ist, sich zehn Vokabel in einer Stunde zu merken &#8211; da wurde sie wieder wach, diese alte Sehnsucht nach der Sprache meiner Mutter. Und die bittere Frage, warum sie mir ihre Muttersprache nicht hatte beibringen wollen, stellte sich mir erneut.<\/em><\/p> ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fl\u00fcchtlingsdienst der Diakonie St. P\u00f6lten organisierte am Samstag, dem 4. 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