Auf Besuch in der Bücherei Hainfeld

Ingrid Sperl, Hainfelder Stadträtin und zuständig für die Stadtbücherei, hatte den Comedor del Arte für Samstag, den 22. September, von 10 – 12 Uhr in die Bücherei eingeladen. Wir folgten gerne der freundlichen Einladung und versuchten, viele Personen dafür zu motivieren. Denn neben einer Führung wurde uns auch das Angebot gemacht, dass am Tage unseres Besuches keine Einschreibgebühr verrechnet werden würde.

Franz und ich sowie weitere 9 Personen folgten dem Angebot. Die Bücherei Hainfeld ist ein moderner, lichter und zweigeschossiger Raum und lädt mit gemütlichen Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein. Vor allem der Kinderbereich ist besonders liebevoll gestaltet. Prince und sein jüngerer Bruder Krishna fühlten sich dort gleich besonders wohl.

Ingrid Sperl erläuterte die unterschiedlichen Kategorien in der Bücherei und die Bedeutung der Kürzel in der Beschlagwortung. Zu 90%, so meinte sie, würden Krimis ausgeliehen werden. Unsere Besucher interessierten sich, so hatte ich den Eindruck, allerdings eher für Geschichte, Biografien und Technik. Einige hielten längere Zeit ein Buch über die Taliban in Händen. Damit hatte wohl niemand gerechnet – so ein Buch in Hainfeld zu finden. Die darin enthaltenen Bilder waren ihnen wahrscheinlich erschreckend bekannt.

Dann ging es ans Ausfüllen der Formulare für die Bibliotheksausweise. Dazwischen Kuchen essen, trinken und plaudern. Gegen Ende kam auch Bürgermeister Albert Pitterle vorbei und wir machten noch ein Gruppenfoto. Die Stimmung war freundlich, interessiert und von gegenseitigem Respekt getragen.

Nicht alle, aber die meisten fanden ein Buch, das sie sich für die nächsten drei Wochen ausleihen wollten. Hossain, der in Afghanistan Journalistik studiert hatte, wählte „Was jetzt“, von Hugo Portisch. Eine gute Wahl, nicht zu dick und eine Auseinandersetzung mit einem der berühmtesten österreichischen Journalisten des 20. Jahrhunderts. Ich erinnere mich noch gut, wie Hugo Portisch uns im Fernsehen die Welt erklärte, leidenschaftlich und immer sehr überzeugend. Hossains Freund Mohammad wählte ein Sachbuch für Kinder mit dem Titel „Mensch“. Mir fiel ein, dass ein Theaterstück von ihm und Hossain „Ich bin ein Mensch“ heißt. Aber er hatte es wohl eher gewählt, um die deutschen Namen der einzelnen Körperteile zu üben. Renate, die auch mitgekommen war, versprach ihm zu helfen.

Reza wiederum wählte ein Technikbuch für Jugendliche über Solarenergie. Er weiß, dass dieses Thema hier von großer Bedeutung ist. Im Iran war er als Ingenieur in der Meerwasseraufbereitung tätig. Da für diese Aufgabe in Österreich kein Bedarf besteht, überlegt er sicher, in welchem Bereich er arbeiten möchte. Die Kinder wählten lustige Kinderbücher, Prinz eines mit dem Titel „Gregs Tagebuch. Von Idioten umzingelt.“, das passt zu ihm und seinem schrägen Humor.

Sleman hat sich kein Buch ausgeborgt. Ich hatte ihm unlängst den Kassenhit „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer geschenkt, im vermeintlichen Glauben, dass die als E-Mail-Zwiegespräch angelegte Liebesgeschichte leicht zu lesen wäre. Ich fürchte, da habe ich mich getäuscht und Sleman wird noch einige Zeit damit beschäftigt sein…

Auch ich habe mir ein Buch ausgeborgt, ein schön gestaltetes Buch über das Alphabet, worin ich eine nette Anleitung zur Gestaltung eines Buchstaben-Würfelspiels aus Papier fand. Reza erklärte sich bereit, es zu Hause auszuprobieren. Weihnachten naht und wir brauchen wieder Produkte für unseren Stand.

Danke an das Büchereiteam für die freundliche Aufnahme, wir kommen gerne wieder!

Alexandra Eichenauer-Knoll

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PS: Gestern, am 21. September, waren Franz und ich in der Landesbibliothek St. Pölten eingeladen, wo das Projekt Lib(e)ro vorgestellt wurde. Wir hatten dabei geholfen, einmal einen Test in der Bücherei Hainfeld für Jugendliche mit nicht deutscher Muttersprache zu organisieren. Und waren daher eingeladen worden, am Podium mitzudiskutieren. Das Projekt Lib(e)ro ist eine Online-Lernplattform für jugendliche Flüchtlinge, um Europa kennenzulernen. Sicher werden wir auch dieses Tool in die Lerngruppen des Comedor einbringen. Aber auch das braucht wohlüberlegte Anleitung und Begleitung vor Ort.

Infos zu LIB(E)RO