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(Deutsch) Rück- und Ausblicke mit Herzverstand

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Franz Witzmann, Leiter des Comedor del Arte, im Gespräch mit Alexandra Eichenauer-Knoll. Das Gespräch wurde am 4.12.2020 aufgenommen.

Es ist als Audiofile nachzuhören

 

und hier kann man es nachlesen:

Lieber Franz, heute ist der 4.12.2020, wir stehen knapp vor einer Lockerung des 2. Lockdowns. Wie geht es im Comedor zu? Was ist alles passiert? Ich habe mit Renate Höfler schon gesprochen, sie hat mir erzählt, wie gut die Kinderbetreuung im September und Oktober funktioniert hat. Der nächste Lockdown ist dann wieder dazwischengekommen. Was ich mich dabei gefragt habe: Wie war es möglich, dass ohne jegliche Werbung am ersten Schultag so viele Kinder vor dem Comedor gestanden sind?

Franz: Im Sommer bin ich immer wieder gefragt worden, wann wieder der Betrieb losgeht, ich habe dann irgendwann gesagt, dass ich am Nachmittag (ab Herbst) wieder Hausaufgabenbetreuung machen will. Offensichtlich dürften die Familien und die Kinder sich untereinander verständigt haben, weil am ersten Schultag waren plötzlich 16 Kinder da und alle wollten Hilfe bei Hausübungen. Dieses Schuljahr hat ja am ersten Tag mit Schulaufgaben angefangen. Bis dato war die erste Woche etwas lockerer und weniger Hauübungen, aber diesmal sind sie gleich am ersten Tag losgestartet.
Ich habe dann bald die Nachmittagsbetreuung von 2 auf 3 Stunden ausgeweitet, weil so ein großer Bedarf war. Es hat sich dann eingependelt, manche Kinder sind um 14 Uhr, andere um 15 Uhr gekommen, sodass nicht so viele gleichzeitig in den Räumen waren.

Jetzt im Lockdown 2 war das nicht mehr möglich, aber du hast den Kindern gesagt, sie können dich anrufen und du hast es dann in Einzelbetreuung gelöst.
Wie wir erfahren haben, es kommt wieder ein Lockdown, habe ich den Kindern am letzten Tag noch Visitenkarten mitgegeben und gesagt, wenn sie Hilfe brauchen, können wir uns treffen, auch wenn der Comedor geschlossen ist. Das Angebot ist während des ganzen Lockdowns hauptsächlich von zwei Familien im Ort sehr regelmäßig genutzt worden.

Du hast in unserem Brief an die Mitglieder ein Heraklith-Zitat verwendet, sinngemäß heißt es: Das einzig Beständige ist die Veränderung. Wie können sich Leute, die nicht laufend unsere Aktivitäten beobachten, das vorstellen – heute geht es um viele Kinder, die Hausaufgabenbegleitung brauchen, vor fünf Jahren saßen vor allem Erwachsene da, die versucht haben das Alphabeth zu erlernen.
2016, als wir gestartet haben, war ein Hauptmotiv, oder ein wichtiger Punkt im Comedor del Arte, dass Menschen Grundbegriffe der deutschen Sprache lernen wollten, da war ein großer Zuspruch, weil auch ca. 120 Menschen im Asylverfahren in Hainfeld in Unterkünften untergebracht waren. Die Anforderungen haben sich immer wieder verändert, aber die Deutschkurse sind geblieben. Ich hatte vor dem ersten Lockdown einen A1-Kurs laufen, den haben wir dann abbrechen müssen. Die beiden Schüler, eine Schülerin und ein Schüler, haben übrigens selbstständig weitergelernt und dann die A1-Prüfung positiv bestanden.
Es kommen jetzt Kinder von Familien zu uns, die im Ort geblieben sind, aber auch Kinder aus Familien, die nicht als Geflüchtete gekommen sind, die einfach aus anderen Ländern zugezogen sind, z. B. Rumänien, Ungarn oder Ägypten, die hier arbeiten oder einen Betrieb haben, und deren Kinder Lernunterstützung benötigen. Von denen ist das auch schon 2019 in Anspruch genommen worden ist, aber nie so stark wie jetzt seit September.

Offensichtlich hat sich da auch eine Botschaft rumgesprochen – der Franz hilft den Kindern. War das vorher nicht so klar? War es auch der Lockdown, der ihnen bewusst gemacht hat, sie brauchen mehr Hilfe bei den Hausaufgaben?
Geflüchtete Menschen sind ja auch untereinander in Kontakt, und da passieren viele Dinge, die man nicht mitbekommt. Und das andere ist auch, dass mich – seit einem Jahr ungefähr – vermehrt die Eltern kontaktieren, weil sie wissen, es gibt den Comedor, weil sie das irgendwo erfahren haben. Und sie fragen: Können die Kinder kommen? Z. B. eine tschetschenische Familie aus der Nachbarortschaft, wo die Eltern sehr bemüht sind und die sich sogar vorstellen gekommen sind. Aber auch andere Familien gibt es, wo die Eltern vorher gefragt haben, wie das abläuft.

Jetzt sind es vor allem die Kinder, die dich brauchen. Aber die Comedor-Familie umfasst viel mehr Menschen als die, die jetzt gerade da sind. Es gibt Menschen, die noch in Hainfeld leben, aber nicht mehr in die Kurse kommen, dich aber vielleicht für anderes brauchen. Es gibt Menschen, die sind weggezogen, es gibt Menschen, die mussten weiterflüchten. Und zu vielen von denen, die nach wie vor in Schwierigkeiten stecken, hast du auch noch Kontakt. Menschen, die noch immer keinen Status haben, der ihnen ein gutes Leben ermöglicht.
Das sind verschiedenen Stränge. In Hainfeld sind zurzeit nicht mehr so viele Leute im Asylverfahren. Es sind noch zwei afghanische Familien da, die schon jahrelang auf ihre Entscheidung warten, deren Kinder in den Kindergarten oder in die Schule gehen. Es sind aber auch einige Menschen mit einem positiven Bescheid in Hainfeld geblieben, weil sie sagen, es ist so schön hier, es ist gut für Kinder, man hat alles, es ist ruhig. Diese Leute benötigen auch verschiedenste Unterstützung, z. B. ein Vater ist sehr fleißig, arbeitet, hat sogar einen zweiten Job, damit er genug verdient, und hat immer wieder Fragen, weil er Post bekommt vom Finanzamt oder von der Krankenkasse, oder er hat ein Auto und braucht dafür einen Abstellplatz. Bei solchen Sachen unterstütze ich ihn dann. Ich telefoniere z. B. mit dem Finanzamt und so können wir Dinge lösen ohne dass größere Probleme entstehen, wie z. B. Mahnspesen. Dann gibt es z. B. einen Arzt, dem ich bei der Vorbereitung zur C1 Prüfung geholfen habe. Oder wir haben zwei junge Männer, einer hat bereits Asyl bekommen, der andere leider noch nicht, obwohl er auch schon 5 Jahre auf die Entscheidung wartet, vor 2 Jahren, glaube ich, war das Gerichtsverfahren. Sie machen jetzt eine Krankenpflegerausbildung. Da unterstütze ich auch immer wieder, z. B ich korrigiere ihnen die Texte oder wir lernen gemeinsam.
Und dann gibt es auch Menschen, die waren eine Zeitlang in Hainfeld und waren aktiv im Comedor, wodurch sich ein freundschaftliches Naheverhältnis entwickelt hat. Ein junger Afghane z. B.  ist dann, nachdem er in Österreich abgelehnt worden ist, nach Deutschland gegangen, lebt jetzt in der Nähe von Hamburg. Mit ihm bin ich noch unregelmäßig über Internet in Kontakt. Ein anderes Schicksal ist ein junger Iraner, der auch weggegangen ist, dann in Calais gelebt hat, wieder zurückgekommen ist, wieder in Traiskirchen war und dann freiwillig zurückgegangen ist in den Iran. Mit ihm bin ich auch in Kontakt, er hat glücklicherweise bis jetzt keine Verfolgungshandlungen erfahren. Es gibt aber auch andere, wie ein Familie, die noch immer in Österreich im Verfahren sind, von einem Lager ins andere geschoben werden, mit einem autistischen Kind, das schon 8 Jahre alt ist und das letztes Jahr keine Schule besuchten dufte und sein Therapien nicht mehr bekommen hat. Da haben wir dann urgiert, damals waren sie in Oberösterreich, mit einem Landesrat und einer Abgeordneten Kontakt aufgenommen. Daraufhin sind sie nach Graz verlegt worden und jetzt endlich kann der Bub eine Schule besuchen, die spezialisiert ist auf Autisten und er macht sehr große Fortschritte. Das sind dann kleine Erfolge. Diese Familie unterstützen wir, mit Dasein, mit Besuchen und auch mit finanzieller Unterstützung.

Wenn wir schon beim Geld sind, wie ist es denn mit den Finanzen des Vereins Herzverstand, der ja gegründet worden ist, um den Comedor del Arte zu unterstützen und eine Struktur für Fördergeber zu sein.
Ja, um das ein bissl klarer zu bringen möchte ich etwas ausholen: Gestartet ist der Comedor del Arte während des Sozialfestivals „Tu was, dann tut sich was“. Wir haben eine Förderung bekommen für das erste Jahr, um die Miete zu bezahlen. Dann ist die Leader-Region Mostviertel-Mitte an uns herangetreten, wir sind ein gutes Projekt und sollten ansuchen, damit wir als Leader-Projekt gefördert werden. Beim Sozialfestival war eine Bedingung, dass die Räumlichkeiten auf meinen Namen gemietet werden, für das Leader-Projekt war es notwendig, dass es einen Verein gibt, der das Haus mietet. Wir haben den Verein gegründet und den Mietvertrag umgeschrieben und sind für 3 Jahre als Leader-Projekt gefördert worden. Wir haben vom Tu-was Festival auch noch Geld bekommen, das war dann sowas wie die Eigenkapitalreserve für die letzten Jahre. Dadurch konnten wir laufende Kosten, Miete und Pellets bestreiten. Wir sind sehr aufmerksam mit dem Geld umgegangen. Die Leader-Förderung ist 2019 ausgelaufen, wir haben aber so viele Finanzmittel gehabt, dass wir bis Frühling 2021 ohne Zusatzmittel auskommen können. Die Sparkassenstiftung hat den Verein übrigens auch unterstützt.
Die letzten Fördergelder kamen also 2019, und der Plan war, mit dieser Kapitalreserve und mit Veranstaltungen noch Geld zu bekommen, auch Mitgliedsbeiträge zu lukrieren und noch mehr Mitglieder zu finden, damit wir uns breiter aufstellen und uns autonom ohne Fördergeber finanzieren können. Die Pandemie und der Lockdown haben natürlich alles verändert, wir konnten keine Veranstaltungen und keine Märkte machen. Unser Budget reicht jetzt noch soweit, dass wir die Miete für März 2021 bezahlen können.

Die Einnahmen aus den Märkten werden nicht das ganze Budget abdecken. Das sage ich jetzt, weil ich mit den Märkten auch viel zu tun hatte: Für die Basteleien und Nähereien brauchen wir Leute, die motiviert sind uns zu unterstützen. Die Situation ist jetzt anders als noch vor ein paar Jahren. Wir haben jetzt keine Leute mehr, die wir beschäftigen möchten, auch um ihnen psychische Stabilität zu geben, sondern wir haben Familien, die ohnehin sehr beschäftigt sind damit im Leben anzukommen. Wir haben auch keine Näherinnen und Näher, wie z. B. unseren Ali, mehr vor Ort, die sehr schnell waren. Es ist also viel schwieriger geworden, Produkte überhaupt zu erzeugen.
Ja, das ist eine Folge der Veränderungen, mit denen wir zurechtkommen müssen. Solange relativ viele Menschen im Asylverfahren hier waren, war es eigentlich kein Problem, etwas zu organisieren. Wir hatten ein paar sehr verlässliche Leute, die überall dabei waren. Ich habe mit einem Ansprechpartner gesprochen, ich habe z. B. gesagt wir machen ein Fest und brauchen ein Küchenteam – und das Küchenteam war da!
Diese Leute haben zum Glück tw. Asyl bekommen und dann stehen ganz andere Dinge an, sie müssen arbeiten, Deutschkurse machen, für die Familie sorgen, Wohnungen finden oder sie sind irgendwo in einer Ausbildung. Dann müssen sie lernen und haben auch nicht mehr die Zeit, sich im Comedor einzubringen und Dinge zu basteln, die man verkaufen kann.

Was man in diesem Zusammenhang erwähnen kann, ist ein Selbstläufer, den es auch gibt. Das ist das Projekt „1000 taschen“ von Kathrin Mayer, die jetzt 1000 Masken produziert und das sehr erfolgreich. Bei den Masken, die man z. B. im Schuhhaus Fux in Hainfeld kaufen kann, bekommen wir die Hälfte der Einnahmen. Die Maske kostet 10,- Euro und wir bekommen 5,-. Die Näherinnen sind in der Slowakei. Das ist ein Projekt, für das wir sehr dankbar sind.
Ja, wir haben wenig oder gar keinen Aufwand, und bekommen trotzdem immer wieder Geld aufs Konto, das ist eine schöne Unterstützung.

Aber es wird auch das nicht reichen, um für 12 Monate die Miete zu bezahlen.
Nein, wir benötigen rund 10.000 Euro im Jahr, für Miete und allfällige Reparaturen.
Mir ist jetzt eines klar geworden: Wir haben ja schon länger angefangen Mitglieder zu werben, eine Jahresmitgliedschaft kostet 25,- Euro. Wir haben das zwar immer wieder angeboten, aber es war nicht in unserem Fokus, wir haben das etwas vernachlässigt. Das ist jetzt ein Punkt, an dem man mehr dran sein muss, die Mitgliederbetreuung.
Wir haben jetzt Briefe ausgeschickt und es ist sehr interessant, dass wir gleich am ersten Tag nach dem Versand Mitgliedsbeiträge auf das Konto bekommen haben. Ich habe Anrufe bekommen, E-Mails von Leuten, die sagen, ja es ist gut, was ihr da macht, ich unterstütze euch. Es wurden auch Spenden dazugegeben. Das wird ein Punkt sein, dass wir uns mehr darum kümmern müssen, die Mitglieder zu informieren, damit man weiß, was so geschieht. Als Außenstehender sieht man zwar, ja das Lokal ist noch da, am Nachmittag rennen viele Kinder herum und spielen, aber was tatsächlich passiert, wissen viele nicht. Es ist ein wichtiger Punkt, das mehr zu kommunizieren, um eine breitere Unterstützung und mehr neue Mitglieder zu bekommen.

Gut, dann nehme wir uns vor, dass wir in Zukunft mehr kommunizieren. Das ist jetzt schon mal ein Anfang. Danke für das Gespräch!

(Deutsch) Renate, die Comedor-Oma

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Renate Höfler ist seit September 2020 gemeinsam mit Franz Witzmann intensiv in der Hausaufgabenbegleitung tätig. Derzeit ist Lockdown, aber es ist anzunehmen, dass danach wieder zahlreiche Kinder in den Comedor del Arte kommen werden. Alexandra Eichenauer-Knoll befragte sie in einem Telefongespräch, wie man sich diese Nachmittage vorstellen kann und wie sie generell zu ihrem Engagement steht.

Liebe Renate, wie war der Herbststart heuer im Comedor del Arte?
Renate Höfler: Als ich das erste Mal nach den Ferien, also am ersten Schultag, hingegangen bin, wollte ich nur mal kurz nachschauen, was los ist. Ich hatte keine besonderen Erwartungen. Und dann sind 15 Kinder dort gewesen! Da war wirklich alles voll, von jetzt auf gleich. Man hat nur gehört: Franz, Franz, ich brauche Hilfe. Ich habe mit so einem Zuspruch nicht gerechnet und habe Franz natürlich gleich unterstützt. Am nächsten Tag waren wieder so viele Kinder da, die Hilfe gebraucht haben. Ich habe Franz dann angeboten, ihm dreimal die Woche zu helfen. Ich war dann Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und manchmal auch Freitag, meistens von 14.00 bis 16.00 Uhr dort. Mehr wie zwei Stunden schaffe ich nicht. Ich arbeite ja von 05.00 Uhr früh bis kurz nach 13.00 Uhr. Dazwischen esse ich schnell zu Hause eine Kleinigkeit, die ich mir schon am Vortag hergerichtet habe. Ich denke mir schon manchmal,  o Gott, ich bin so müde, ich würde mich gerne hinlegen.. Und dann denke ich an Franz, der alleine im Comedor ist und dass ich ihm helfen möchte. Wenn ich dann im Comedor bin, ist es wie eine Energiedusche und ich bin hellwach. Es tut mir so gut, mit den Kindern zu sein.

Energiedusche ist ein schönes Bild.
Ja, irgendwann bin ich eine halbe Stunde später gekommen und sehe den kleinen Mohammad bei der offenen Tür stehen. Ich denke mir, was macht er da? Als er mich sieht, dreht er sich um und schreit in den Comedor hinein: „Sie kommt, sie kommt!“ Und ich höre ein Mädchen rufen: „Ich bin die erste, wenn sie da ist!“ Also das ist wirklich unglaublich, da kommt soviel rüber an Dankbarkeit und Liebe. Wenn ich diese strahlenden Augen sehe, bin ich glücklich. Ich liebe diese Kinder.

Wie geht es dir beim Hausaufgabenbegleiten? Du hast diese Aufgabe ja erst jetzt übernommen?
Ich habe es mir am Anfang gar nicht zugetraut, mit Kindern Aufgaben zu machen. Ich bin da reingerutscht, weil außer Franz sonst niemand da war. Aber jetzt traue ich mir das zu. Ich habe vorher schon sporadisch bei Aufgaben geholfen, aber nicht so intensiv. Es war ja auch vor Coronazeiten bei weitem nicht so eine Andrang wie jetzt.

Wie kannst du dir das erklären?
Ich weiß nicht, etliche sind erst jetzt in die Schule gekommen. Andere waren im Hort oder einfach nicht bei uns. Irgendwie hat sich das verselbstständigt. Franz hat es ja überhaupt nicht beworben. Die Kinder standen am ersten Schultag einfach vor unserer Tür. Wir haben uns im Comdedor del Arte ja immer nach den gerade aktuellen Bedürfnissen gerichtet und nach dem, was gerade gebraucht wird. Momentan brauchen uns die Kinder.

Franz und du, teilt ihr euch die Arbeit auf?
Wir teilen uns die Arbeit nicht bewusst auf, jeder hilft, wo er gerade gebraucht wird. Meistens konzentriere ich mich allerdings auf die Kleineren und Franz, der ja auch als Lehrlingscoach arbeitet, übernimmt die Größeren. Aber ich helfe auch bei Mathematik! Und ich sage ehrlich: ich spüre, wie mich das geistig fit hält! Die Kinder lernen das ja heute ganz anders, als ich oder mein Sohn das gelernt hatten. Am Anfang musste ich bei Franz nachfragen, aber jetzt geht es gut. Und die Kinder schaffen die Tests. Man muss sich ja vorstellen, diese Kinder können nicht zu Hause bei den Eltern Hilfe bekommen. Die Grundrechnungsarten könnten die Eltern vielleicht lösen, aber wenn man die deutsche Sprache nicht beherrscht, scheitert man bei den Textaufgaben. Und letztlich beginnen alle Mathematikaufgaben mit einer Erklärung, die in einen deutschen Satz verpackt ist.

Es wird nicht nur gearbeitet, sondern auch wieder viel gemalt, wie ich gehört habe.
Wenn die Kinder fertig sind, spielen wir oft Spiele, Halma zum Beispiel. Oder die Kinder malen eben. Sie malen vor allem uns, Franz und mich. Wir haben alles vollgehängt mit den Kinderzeichnungen. Ganz entzückend ist auch ein Brief, den mir ein ägyptisches Mädchen, die Aye, vor dem zweiten Lockdown überreicht hat. Sie schreibt darin, wie lieb sie uns hat. Sie ist eines von den “Pizzakindern“. Wir haben kurdisch-syrische und ägyptische Pizzakinder, jeweils von den beiden Hainfelder Innenstadtpizzerias.

Wirst du manchmal gefragt, warum du dir diese Arbeit antust?
Wenn man mich fragt, warum ich mir das antue, erzähle ich gerne, dass ich lange bevor ich den Comedor kennengelernt habe, vom Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner sehr begeistert war. Er wurde einmal in einem Interview gefragt, woher er die vielen Frauen für die Kinderdorffamilien bekommen möchte. Und er sagt darauf sinngemäß: wenn es diese Kinder gibt, so muss es auch Frauen geben, die als Kinderdorfmütter arbeiten möchten. Das ist mir damals so richtig ins Herz gegangen. Ich bin zwar keine Kinderdorfmutter geworden, aber immerhin so etwas wie die Comedor-Oma! Ich habe keine eigenen Enkelkinder und darf so ein wenig in Kinderenergie baden.

Hoffen wir, dass der Corona-Ausnahmezustand irgendwann vorbei ist und du mit den Kindern dann wieder vergnügt auf ein Eis gehen kannst. Du bist berühmt dafür, die Kinder ins Rösthaus auf ein Stanitzel einzuladen.
Ja, es ist wie es ist. Diese Menschen sind da und es muss sich jemand kümmern. Wenn ich in ein fremdes Land ginge und die Sprache nicht könnte, würde ich mir auch wünschen, dass mich jemand an der Hand nimmt und mir ein bisschen hilft. Und mehr kann ich ja auch nicht tun als ein bisschen helfen. Und ein Lächeln in die Gesichter zaubern. Ich wünsche mir, dass ich ein kleines bisschen Freundlichkeit und Liebe in die Herzen pflanzen kann und die Kinder uns in guter Erinnerung behalten.
Unlängst habe ich einen unserer zahlreichen Alis zufälligerweise in Wien getroffen, er lebt jetzt dort, war früher in Hainfeld. Es war so eine Freude sich wiederzusehen, eine ehrliche Freude, das ist schön, gleich, ob es Kinder oder Erwachsene sind. Ich habe soviel Mütterlichkeit in mir, die ich gerne weitergeben möchte. Ich liebe es einfach, andere zu bemuttern!

Renate Höfler, 57, lebt und arbeitet in Hainfeld. Sie ist Mitglied im Vorstand des Vereins Herzverstand, der den Comedor del Arte betreibt. Abgesehen von Hausaufgabenbegleitung hat sie sich in unserem Begegnungshaus schon auf unterschiedlichste Art und Weise engagiert. So spielte sie die Königin im Theaterstück „Alte Helden“ von Mohammad Ahmadi und hat bei Theater- und Bastelworkshops teilgenommen. Als Verkäuferin bei diversen Kreativmärkten war sie ebenfalls eine tatkräftige Unterstützung. Einige Familien besucht Renate Höfler auch unabhängig von Comedor-Aktivitäten. Außerdem hält sie zu Menschen Kontakt, die inzwischen andernorts weitergezogen sind.  

(Deutsch) Solidarität macht unser Leben schöner!

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Die Europäische Union ist eine Staatengemeinschaft, eine Wertegemeinschaft und sie soll den Frieden sichern. Im Artikel 2 des Vertrages über die Europäische Union (EUV) heißt es:

„Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit von Frauen und Männern auszeichnet.”

Jahrelang müssen geflüchtete Menschen an verschiedenen Orten in Europa unter menschenunwürdigen Bedingungen vegetieren. Aktuell ist die Insel Lesbos und das abgebrannte Camp Moria etwas in den medialen Fokus gerückt, aber es gibt solche Lager auch auf anderen griechischen Inseln. Viele geflüchtete Menschen irren durch Europa, sind obdachlos, ohne Papiere und ohne Perspektive. Die einzelnen Staaten reagieren unterschiedlich. Teils werden die Menschen monatelang in Schubhaftgefängnisse gesteckt und später in einen anderen Staat der EU deportiert (Dublin-Abkommen), in anderen Staaten werden sie nicht eingesperrt, aber sie sind monatelang ohne staatliche Versorgung, leben in irgendwelchen (Illegalen) Camps, wie z.B. in Calais. Dort werden sie regelmäßig von der Polizei vertrieben und schikaniert. Im Grenzgebiet von Bosnien, Kroatien und Herzegowina sitzen hunderte Menschen im Niemandsland fest. Sie wurden verprügelt, ihnen wurden Handys, Schuhe, Rucksäcke…alles abgenommen.
Diese Aufzählung könnte ich leider noch lange fortsetzen.

Wir sehen schon zu lange, dass für bestimmte Menschengruppen die Lebensbedingungen innerhalb der EU immer menschenunwürdiger werden.

Schweigen wird als Zustimmung gewertet!
Wenn nationalistische und populistische PolitikerInnen aus wahl- und machttaktischen Gründen, Menschen auf europäischem Boden unter menschenunwürdigen Bedingungen vegetieren lassen, dann kann ich dazu nur nein sagen.

Die Krisen werden nicht weniger und die Aufgaben werden vielfältiger.
Die Pandemie mit ihren Beschränkungen wird uns mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mindestens ein Jahr begleiten.
Immer mehr Arbeitlose und viele Insolvenzen werden wirtschaftliche und soziale Auswirkungen zeigen.
Unsere Erde brennt und wir sollten dringend an einer globalen Lösung arbeiten.

Um all diese Herausforderungen bewältigen zu können, bedarf es Solidarität. Es braucht ein Miteinander, welches als Basis das Recht eines jeden Menschen auf ein menschenwürdiges Leben hat.

Im Artikel 2 EUV in der Fassung des Vertrags von Lissabon ist diese Wertebasis festgelegt.
Politische und sonstige VerantwortungsträgerInnen, die gegen die Grundrechte verstoßen, gehören zur Verantwortung gezogen.

Nachtrag: Meine weise Katze Sandy (17Jahre) hat gesagt: “Katzenfotos bringen mehr Klicks!” Dann hat sie sich mitten auf das Transparent gelegt.

Franz Witzmann

 

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Der Comedor del Arte im Home-Office. Ein Gespräch.

Seit dem 13. März 2020 ist der Comedor del Arte infolge der Corona Covid 19-Ausgangsbeschränkungen geschlossen. Alexandra Eichenauer-Knoll spricht mit Franz Witzmann über seine Arbeit im Comedor Home-Office. Der Leiter des „Begegnungshauses für Hiesige und Zuagroaste“ in Hainfeld erzählt über seinen Erfahrungen mit Fern-Unterricht per Videotelefonie (derzeit WhatsApp, Messenger) und wie sich nach anfänglichen Schwierigkeiten das Lernen auf Distanz langsam einspielt. Glücklicherweise kann er weiterhin mit allen Mitgliedern der Comedor-Familie über unterschiedliche Medien Kontakt halten und versucht Unsicherheiten über die Ausnahmeverordnungen auszuräumen oder bei sonstigen Alltagsproblemen beratend zur Seite zu stehen.

Ratlos macht ihn und viele Unterstützer/innen, die mit geflüchteten Menschen arbeiten, dass es trotz Ausnahmeverordnungen nicht möglich ist, wenigstens jetzt Menschen im Asylverfahren unbürokratisch als Erntehelfer arbeiten zu lassen.

Außerdem verrät Franz noch, warum ihm die Eulen zugeflogen sind, und was er uns mit seinen Eulenzeichnungen mitteilen möchte.

Gespräch in Alexandras Garten, Ostersonntag, 12.4.2020
Musik zum Ausklang: Franz improvisiert am Klavier
Schnitt: Max Knoll

 

Und hier noch ein Hinweis für all jene, die SOS Bihac unterstützen möchten. Das Team rund um Dirk Planert und Zlatan Kovacevic versucht sein Bestmögliches, um geflüchtete Menschen, die in Bosnien unversorgt und abgeschnitten von Hilfslieferungen aus Europa ausharren müssen, zu versorgen. Sie brauchen uns jetzt!

Nothilfe für Flüchtlinge in Bosnien
IBAN: DE22441600146605039300
BIC: GENODEM1DOR

Online Flohmarkt zugunsten SOS Bihac auf Facebook:
save x humanrights flohmarkt für sos bihac

https://www.facebook.com/profile.php?id=528577271134223&ref=br_rs

 

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Alte Helden im NÖ Landespflegeheim

Mohammad Ahmadi und Hossain Rezaie sind nicht nur begabte Schauspieler und Stückeschreiber, sie absolvieren derzeit auch ein Praktikum im Rahmen ihrer Ausbildung zum Altenpfleger in Hainfeld.

Und so entstand die Idee, dass  wir vom Comedor del Arte dort auftreten könnten. Schließlich ist ja auch gerade Fasching. Und wir finden, das Stück »Alte Helden«, das wir 2018 am Heldenplatz  in Wien und beim Kulturfest aufgeführt haben, passt ganz gut zu diesem Auftrittsort. So proben wir nun fleißig für die Wiederaufnahme:

Alte Helden
Ein Stück von Mohammad Ahmadi und Hossain Rezaie

Es spielen: Renate Höfler, Alexandra Eichenauer-Knoll, Franz Witzmann, Mohammad Ahmadi und Hossain Rezaie
Regie: Mohammad Ahmadi

Zeit: Dienstag, dem  11. Februar 2020 um 15.00 Uhr
Ort: Kaffeehaus des NÖ Landespflegeheims, Hainfeld

Wer Lust hat, möge vorbeischauen!

(Deutsch) Kreativmarkt 2019: Viele neue Ideen und ein lustiges Missverständni

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Der Comedor del Arte hat heuer bereits zum 5. Mal am Hainfelder Kreativmarkt mit einem Kulinarikstand und bereits zum 4. Mal mit einem Verkaufsstand für selbsterzeugte Produkte teilgenommen.

Weihnachtsmärkte sind Geschmacksache. Es gibt Menschen, die solche Events lieben und sogar weitere Reisen auf sich nehmen, um neue Märkte zu entdecken. Andere Zeitgenossen wiederum ziehen um diese Art Weihnachtstrubel lieber einen großen Bogen. Eines steht für mich aber fest. Um für ein Sozialprojekt wie den Comedor del Arte Geld zu lukrieren, ist ein Weihnachtsmarkt auf jeden Fall ideal. Mit den heurigen Einnahmen können wir zwei Monatsmieten für unser Begegnungshaus bezahlen. Danke an alle, die uns durch den Kauf eines Produktes unterstützt haben! Außerdem können wir als „Marktstandler“ alte Bekanntschaften auffrischen, neue Leute kennenlernen, für unsere Workshops werben und vielleicht auch ein wenig dabei helfen, diffuse Ängste vor dem Fremden abzubauen…

Daher motiviere ich mich jedes Jahr aufs Neue und überlege – tatkräftig unterstützt von unserem kreativen Vorstandmitglied Cornelia Fuchs – was wir denn sinnvollerweise anbieten könnten.

Ein ausgesprochener Glücksfall war heuer die Bekanntschaft mit Franz Kodeska, einem gebürtigen Hainfelder. Seit seiner Pensionierung stellt er in Buchbindetechnik mit großer Liebe und Sorgfalt wunderschöne Schachteln her. Er leitete im November einen Workshop bei uns und war danach weitere zweimal im Comedor, um mit einem kleinen Team Schachteln und Notizzettelblöcke zu produzieren. Die Produkte, die mit Designerpapier kaschiert werden, sehen elegant und kultiviert aus. Der zusätzliche Golddruck auf dem Florentiner Papier lässt sie noch wertiger wirken. Da Franz Kodeska in den Workshops sehr exakte Anleitungen gab, konnten wir auch entsprechend genau und sauber arbeiten. Die Mühe hat sich gelohnt, denn die Produkte wurden nicht nur bestaunt, sondern auch verkauft. Auch zeigten sich einige Besucher/innen interessiert, nächstes Jahr an einem solchen Workshop teilzunehmen. Wir werden dieses Projekt also wiederholen und noch weitere Produkte austüfeln.

Ein Renner des vorletzten Kreativmarktes waren Fußabstreifer aus Kletterseilen, die Elfi Hasler in einem Workshop mit uns gefertigt hatte. Auch heuer leitete sie einen solchen an und wir konnten zumindest drei Fußabstreifer produzieren. Mehr zu fertigen scheiterte aus Mangel an Grundmaterial. Die Krux dieser Idee ist es nämlich, dass man erstmal genügend Kletterseile auftreiben muss. Und das ist gar nicht so einfach!

Daher möchte ich mich an dieser Stelle sehr herzlich beim “STKZ Weinburg“ für die Seilspenden bedanken!!!
.. und hoffe auf weitere Spenden im nächsten Jahr. Denn das Produkt kommt gut an, alle drei Fußabstreifer fanden eine/n neue/n Besitzer/in.

Auch Genähtes hatten wir heuer wieder im Programm. Waren es letztes Jahr vor allem Yogapölster, die wir sehr gut verkauften, so hatten uns heuer Cornelia Fuchs, Forouzan Rahimian und Ali Hossaini Schürzen genäht und zur Verfügung gestellt. Leider hatten wir einen zu kleinen Stand, um diese Produkte gut sichtbar zu präsentieren. Daher beschlossen wir, dass die jeweiligen Verkäuferinnen auch selbst eine Schürze tragen sollten. Das wirkte! Die Schürzen wurden so sichtbar und auch als hübsch und kleidsam wahrgenommen. Und so verkauften wir insgesamt elf Stück. Danke an dieser Stelle an meine Verkaufskolleginnen Renate Höfler und Cornelia Fuchs! Forouzan stellte uns auch witzige, selbstgenähte Kluppensäckchen zur Verfügung. Ein etwas altmodisches Produkt, aber immerhin – auch davon wurden drei Stück verkauft.

Ganz aktuell hingegen war eine Produktidee von Cornelia Fuchs, nämlich mit Bienenwachs eingestrichene, also gewachste Servietten anzubieten. Diese können zum Einpacken und Ausbreiten der Schuljause, aber auch zum Abdecken von Speisen, die in den Kühlschrank gestellt werden, verwendet werden. Cornelia hatte auch beim Gießen ihrer Recycling-Kerzen schon Wachs an den Fingern und sprühte wie jedes Jahr ein Feuerwerk an kreativen Ideen. So hatten wir auch mit Sand gefüllte Türstopper, mit Taschentüchern gefüllte Etuis, Turnsäckchen und selbstgenähte Pantoffel in unserem „Laden“.

Mein Beitrag war es auch heuer wieder, mich mit selbstgemachten Süßigkeiten einzubringen und entsprechende Etiketten zu gestalten. Neben den schon zur Tradition gewordenen indischen rava laddhus probierte ich heuer erstmals ägyptische Dattel-Nuss-Kügelchen. Meine Schwester buk italienische Kekse mit dem sperrigen Namen brutti-ma-buoni. Übersetzt heißen diese leckeren Dinger häßlich-aber-gut. Ich versuche uns als Comedor del Arte ja jedes Jahr mit internationalen Süßigkeiten zu positionieren, schließlich gehen viele verschiedene Nationalitäten bei uns ein und aus. Und Interesse für das andere beginnt nicht selten im Magen und mit einem gut gefüllten Bauch(gefühl)!

Dass es dabei auch zu Missverständnissen kommen kann, darüber möchte ich abschließend noch eine lustige Geschichte erzählen.

Ägyptische und ukrainische Muffins

Franz Witzmann leitet zurzeit einen A1-Deutschkurs. Anders als alle bisherigen Comedor-Lerngruppen soll dieser Kurs mit einem anzustrebenden Prüfungsziel abschließen. Derzeit sitzen Schüler/innen mit fünf verschiedenen Muttersprachen bei uns – kurdisch-irakisch, arabisch-ägyptisch, ukrainisch, farsi und dari.

Franz bat nun auf mein Drängen, doch mehr verkaufbare Produkte auf dem Weihnachtsmarkt anzubieten, Vera aus der Ukraine und Nehed aus Ägypten, uns etwas Süßes für den Weihnachtsmarkt zur Verfügung zu stellen. Beide brachten uns dann zu unserer großen Überraschung nahezu idente helle Muffins. Jene von Vera waren zusätzlich liebevoll mit lila-weißem Zuckerwerk dekoriert. Ich finde diese Geschichte wirklich lustig, denn sie zeigt, wie international unsere jungen Frauen und Mütter denken, was sie für lecker befinden und vielleicht auch, was sie überhaupt selbst backen können – Muffins. Dass nicht beide vom gleichen Youtube Video inspiriert worden waren, merkte man beim Durchkosten, die Konsistenz der Teige war unterschiedlich. Während ich also nach ägyptischen und syrischen Rezepten forschte, gingen die beiden kulinarisch auf Europa zu.*

Ist das nicht ein schönes Bild? Trotzdem würde ich natürlich gerne ihre traditionellen Kekse kosten und auch bei uns verkaufen. Bei den nächsten Marktvorbereitungen werden wir das Keksebacken also zu einem eigenen Projekt ausrufen und dabei genügend Zeit einplanen, um unsere gegenseitigen Erwartungen zu diskutieren.

Liebe Grüße und alles Gute für das kommende Jahr wünscht, Alexandra Eichenauer-Knoll

* Um ein bisschen genauer zu sein: Britische Auswanderer brachten den Muffin im 19. Jahrhundert nach Nordamerika. Von dort wurde er weltweit verbreitet. Die aufwändigere Version des Muffins heißt übrigens Cupcake.

(Deutsch) #FairLassen

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Der Comedor del Arte unterstützt die Anliegen der Plattform #FairLassen.

Worum geht es?

2019 hat der österreichische Gesetzgeber eine fundamentale Änderung im Asylwesen beschlossen:

Es wird keine unabhängige Rechtsberatung mehr geben.

Die Abschaffung einer unabhängigen Asylrechtsberatung in Österreich betrifft unsere neuen Freundinnen und Freunde. Bislang konnte man sich darauf verlassen, dass diese bei NGOs wie Caritas oder Diakonie Rat und Hilfe bekommen. In Zukunft soll das nicht mehr möglich sein.

Überdies ist keine unabhängige Kontrolle der neugeschaffenen Bundesbetreuungsagentur (BBU) in Zukunft vorgesehen. Das staatliche Asylsystem kontrolliert sich selbst.

Menschen, die bei uns Schutz und Hilfe suchen, werden somit abgeschottet und isoliert. 

Was im Asylrecht, das ohnehin in den letzten Jahren laufend verschärft worden ist, derzeit geplant ist, wäre in anderen Rechtsbereichen undenkbar – noch… Wir sollten uns nicht an eine Aushöhlung des Rechtsstaates gewöhnen!

Aus all diesen Gründen möchten wir dazu aufrufen, diese Petition zu unterschreiben und weiterzutragen. Die Zeit drängt. Das Gesetz soll am 1. Juli 2020 umgesetzt werden.

Genauere Infos auf der Website

#FairLassen

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Workshop Seilteppiche knüpfen

Freitag, 8. November 2019, 10 – 12 Uhr

Elfi Hasler ist begeisterte Sportlerin und hat von Freunden und einer Kletterhalle Seilspenden erhalten. Wir machen daraus Fußabstreifer. Das sieht hübsch aus und ist auch stabil.

Kursziele:
– Wir „fädeln“ gespendete Kletterseile zu Fußabstreifern. Dafür benutzen wir Holztafeln, auf denen mit Zahlen die Fädelrichtung angegeben wird.
– Und machen so ein schönes Upcycling-Produkt.
– Die Fußabstreifer werden dann am Kreativmarkt für den Comedor del Arte
verkauft.


Leitung: Elfi Hasler

Nov 19 crafting design boxes

Franz Kodeska lives in Hainfeld. Since his retirement he has dedicated himself to a lovely arts and crafts hobby. He is making designer boxes out of grey cardboard, covered with beautiful design or construction paper.

We are very happy that he will share his technique with us in a workshop. Some of the boxes will be sold at the Hainfelder Kreativmarkt in the Kultursaal on Dec 13 and 14.

Dates:
Saturday, Nov 16, 2PM – 5PM
Tuesday, Nov 19, 2.30PM – 5PM

All necessary materials are being provided

Lead:  Franz Kodeska

Further info and registration with Alexandra at 0664 / 1026798

Much more fotos on facebook!

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For the 4th time we are inviting you to the Comedor del Arte culture festival. This time it is taking place on a Saturday in October – Oct 12. This is a very special day for Franz, his 60th birthday, and we will all celebrate with him!

Oct 12, 2019, 5pm

Kultursaal Hainfeld, Hauptstrasse 7

PROGRAM
5 pm- 6.30 pm: Michael Olbrich – culinary delights
6.30 pm: Theater group Comedor del Arte

Photo exhibition and historical review in pictures by Franz Witzmann
afterwards world music by Salah Addin & friends

Friends, sponsors and all who are interested in Comedor del Arte are welcome!

Admission: donations (love offering)
P.S.: Donations for Comedor del Arte are the very best present for Franz – thank you!

 

 

(Deutsch) Lehrer Franz und seine lieben Kinder

Sorry, this entry is only available in German. For the sake of viewer convenience, the content is shown below in the alternative language. You may click the link to switch the active language.

Die Herbstausgabe 2019 der Stadtmarketingzeitung HAINFELDER hat sich diesmal das Thema Bildung vorgenommen. Auch der Comedor del Arte ist eine Bildungseinrichtung in Hainfeld, wo Workshops, Deutschlerngruppen und Hausaufgabenbegleitung angeboten werden. Ein guter Anlass, in diesem Blogbeitrag einmal über das Thema Bildung zu schreiben. Das Gespräch mit Franz Witzmann, der den Comedor und die Lerngruppen leitet, führte Alexandra Eichenauer-Knoll.

Lieber Franz, du hattest als Kind und auch noch als Jugendlicher einen fixen Berufswunsch: Lehrer werden. Nach einigen beruflichen Umwegen wie Polizist, Masseur, Kellner, Theaterproduktionsassistent, Botenfahrer, Lagerangestellter, Redakteur und Buchautor (um nur die wichtigsten Jobs aufzuzählen), bist du nun doch noch im Lehrberuf angekommen. Du begleitest im Auftrag der Volkshilfe Jugendliche als Lehrlingscoach, bist in der Volksschule Hainfeld einmal wöchentlich als Lesepate tätig und betreust im Comedor del Arte Kinder und Erwachsene beim Deutschlernen. Wie fühlt sich das an?
Franz: All diese Tätigkeiten sind herausfordernd, aber auch sehr inspirierend. Herausfordernd, weil man laufend mit neuen Situationen und Menschen konfrontiert ist, inspirierend, weil man von jedem Menschen auch etwas Neues lernen kann. Es ist viel Flexibilität und Spontanität gefragt, damit man auf die einzelnen Menschen mit ihrem ganz speziellen Wissensstand und ihren Bedürfnissen eingehen kann. So betreue ich zurzeit Menschen bei der Alphabetisierung und auf den Levels A1 und A2. Danach kommt aber auch ein angehender Arzt zu mir, der die Nostrifizierung schon abgeschlossen hat, und mit dem ich für die C1 Prüfung lerne. Auch ein aus der Ukraine stammender Verkaufsmitarbeiter, der im Ort beschäftigt ist und sehr gutes Deutsch spricht, kommt wöchentlich zu mir. Mit ihm übe ich Verkaufsgespräche in hiesiger Mundart.

Es gab im Comedor 2018 auch ein Jahr lang das Angebot mit Theaterspielen Deutsch zu lernen. Diese Workshops wurden von der Theaterpädagogin Emina Eppensteiner geleitet. Ein fröhliches Bild hängt zur Erinnerung daran im Comedor über dem Klavier. Was ist davon noch hängengeblieben?
Ganz wesentlich beim Spracherwerb und wichtig für Integration ist die Möglichkeit, sich mit Deutsch Sprechenden austauschen zu können. Lernen passiert ja auch durch oftmaliges Wiederholen. Gewisse Standardkommunikationen in spielerischer Art einzulernen und zu wiederholen fördert auch den Umgang im Alltag. Spielerisches und authentisches Lernen kommen da zusammen.

Jetzt im Sommer sind die Lerngruppen vormittags, Kinder und Erwachsene sind daran beteiligt. Ist da eine andere Stimmung spürbar?
Ja es ist vor allem eine andere Qualität des Lernens. Während ich mit den Erwachsenen Übungen mache, spielen die Kinder meistens im Raum oder vor dem Haus. Es kommt dann immer wieder vor, dass ich Fragestellung an die Erwachsenen richte, ein Kindergartenkind aber als erstes die richtige Antwort gibt. Wie nebenbei. Die Kinder lernen alleine durch Hören und Anwesendsein die Sprache.

Wie ist das mit der Motivation? Geflüchtete Menschen haben in den ersten Monaten oft eine sehr hohe Motivation anzukommen und zu lernen. Je länger das Asylverfahren dauert, desto psychisch belastender wird der Zustand des Wartens und der Ungewissheit. Das wirkt sich auch auf den Lernfortschritt aus. Die Leute klagen über Kopfweh etc. Wie erlebst du das?
Die oftmals überlangen Verfahren sind sehr belastend, das stimmt. Es kommt aber trotzdem auf den einzelnen Menschen an, wie er oder sie damit umgeht. Es ist bei einigen Menschen so deutlich zu sehen, sie wollen hier sein und suchen aktiv eine sinnvolle Beschäftigung, obwohl sie vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. Hier versuche ich auch anzusetzen. Je mehr Struktur ein Mensch hat und je mehr Aufgaben und Termine er wahrnehmen kann, umso leichter kommt er mit der Situation zurecht. Das Lernen und die regelmäßigen Lerntermine geben ja auch Struktur. Die eifrigste Schülerin derzeit ist eine Mutter von zwei Kindern, die durchaus den ganzen Tag beschäftigt wäre, aber nicht nur in den Kursen, sondern darüber hinaus auch zu Hause lernt. Jemand, der im Gegensatz dazu den ganzen Tag nichts zu tu hat, kommt viel mehr ins Grübeln und Verzweifeltsein.

Wie viele geflüchtete Menschen schätzt du hast du in deinem Leben schon betreut?
Ich habe schon vor 15 Jahren angefangen mit der Betreuunng von zwei tschetschenischen Familien. 2011 habe ich dann Kontakt zu meinem Freund Moh bekommen, der damals am Klammgruberhof einquartiert war und über ihn lernte ich uigurische Frauen in Altenmarkt kennen. Im Sommer 2013 habe ich dann mit Deutschkursen bei mir zu Hause angefangen, im Herbst 2013 begann ich dann für die Diakonie ehrenamtlich Kurse abzuhalten. Die Deutschkurse am Klammgruberhof habe ich bis ins Frühjahr 2017 geführt. Manchmal waren dort bis zu bis zu 30 Personen. 2015/16 war die Pension zeitweise so überfüllt, dass ich den Deutschkurs im Freien abhalten musste. Parallel dazu haben wir 2016 angefangen, auch im Comedor Deutschlerngruppen anzubieten. Egal wo, die Schwierigkeit bestand immer darin, dass nach 2-3 Monaten die Gruppen auseinanderbrachen, weil alte Leute wegkamen und Neue dazu. Die Neuankömmlinge abzuholen, ihnen eine Einstieg zu bieten, das war dann immer die Herausforderung.

Die bist inzwischen zertifizierter Daf/Daz Trainer. Hat sich dein Unterricht nach der Ausbildung 2017 wesentlich geändert?
Ich habe interessante sprachwissenschaftliche Erkennnisse und Methoden kennengelernt, die durchaus in den Unterricht einfließen. Ich habe andersrum aber auch viele eigene Erfahrungen in den Kurs einbringen können.

Was sind so deine augenfälligsten Beobachtungen als Lehrer?
Mir ist über die Zeit aufgefallen, dass immer wieder sehr motivierte und fleißige Schülerinnen und Schüler dabei waren. Bei Frauen oder Mädchen aus Afghanistan, denen Bildung und Schule verwehrt waren, ist aber eine ganz besondere Begeisterung und Freude am Lernen-dürfen zu beobachten. Das sieht man selten.

Noch eine berührende Anekdote zum Abschluss?
Die Zeit, während ich im Klammgruberhof unterrichtet habe, waren Schüler dabei, die noch nie ein Schule besucht haben. Sie haben einfach die Buchstaben abgezeichnet. Wenn sie an der Reihe waren, wurden ihnen die Buchstaben von Kollegen eingesagt. Als einer dieser Schüler nach einenhalb Jahren zum ersten Mal seinen ersten Satz selbstständig lesen konnte, haben alle applaudiert.

 

Danke an unsere Fördergeber,  die Bildung im Comedor del Arte möglich machen:

(Deutsch) Ein Pantomimeworkshop an der Volksschule Hainfeld

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Mohammad Ahmadi und Hossain Rezaie, unsere beiden Schauspieler, hatten bereits in Afghanistan Theaterworkshops mit Kindern abgehalten. Sie äußerten den Wunsch, dies auch hier zu tun. Im vergangenen Winter haben wir uns über diese Thematik unterhalten und nach den Semesterferien konnten sie an der Niederhofschule in Lilienfeld und an der Volksschule Hainfeld einen wöchentlichen Workshop mit Kindern leiten. Über letzteren möchte ich hier berichten:

In der Volksschule Hainfeld gibt es eine Unverbindliche Übung “Darstellendes Spiel”, welche von der Volkschullehrerin Claudia Lechner geleitet wird und an der 9 Kinder teilnehmen. Da ich bereits seit 8 Jahren als Lespate in der Schule tätig bin, war die Kooperation unkompliziert und freundschaftlich.

In den ersten Wochen hat Mohammad alleine den Workshop geleitet, weil Hossain zu dieser Zeit immer in St. Pölten beim Deutschkurs Level B1 war. Seit April haben Mohammad und Hossain dann gemeinsam mit den Kindern gearbeitet und pantomimische Szenen für eine Aufführung zum Schulschluss mit ihnen einstudiert.

Die Hainfelder Volkschule ist eine musikalische und kreative Schule. Singen, Musizieren, im Ensemble spielen, aber auch Musical-Aufführungen wurden mit den Kindern bereits eingeübt und zur Aufführung gebracht. Am 25.6.2019 konnte auch die Pantomime-Truppe im Rahmen einer Präsentation der musikalischen Arbeit der einzelnen Klassen das erlernte Programm zur Aufführung bringen. Die Kinder von Volksschule und Spz, die LehrerInnen und einige Angehörige bildeten das Publikum.

Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler waren beim Auftritt alle im Gesicht weiß geschminkt, hatten schwarze Kleidung und weiße Handschuhe an und man konnte förmlich fühlen, wie sie mit fokussierter Ernsthaftigkeit in ihre Rollen schlüpften. Aus der Bewegung heraus wurden sieben verschiedene Szenen, Bilder bzw. Sequenzen pantomimisch dargestellt. Das waren alltägliche Tätigkeiten, wie Duschen, auf die Toilette gehen, sich anziehen, aber auch ein Motoradunfall und der Abtransport eines Verletzten durch die Rettung wurden gespielt. Den Abschluss bildeten zwei Filmszenen aus “Der König der Löwen” und “Titanic”. Das Publikum war begeistert und belohnte die Aufführung mit einem lange anhaltendem Applaus.

Der Auftritt war ein Erfolg, aber nicht nur das: die regelmäßige, wöchentliche Workshoparbeit hatte auch positiven Einfluss auf die Gruppendynamik, den Gruppenzusammenhalt und auf die soziale Entwicklung der Kinder. Wie sich die Truppe von Einzelkämpfern zu Teamplayern geformt hatte, wurde zum Beispiel in einer Stunde sichtbar, bei der uns die Kinder selbst entwickelte Szenen vorstellen wollten. Da nur mehr wenige Minuten bis zum Ende des Unterrichts zur Verfügung standen, konnte nicht jedes Kind einzeln spielen. Da hatten sie sich spontan entschlossen, uns gemeinsam ein Stück vorzuspielen. Sie bildeten einen Kreis, legten sich gegenseitig die Arme auf die Schultern, senkten die Köpfe und tuschelten. Kurz danach gingen alle in Position und sie spielten eine Szene aus einem Film nach.

Falls die Unverbindliche Übung im neuen Schuljahr fortgesetzt wird, sind unsere Schauspieler wieder eingeladen mitzuwirken.

Herzlichen Dank an die Direktorin Herta Smetana und an Claudia Lechner für die Möglichkeit, diese Projekt umzusetzen. Herzlichen Dank an Mohammad, Hossain und an die lieben Kinder.

Alles Liebe, Franz Witzmann

Alle Fotos: Franz Witzmann

Weitere Fotos gibt es auf Facebook

(Deutsch) P3TV im Comedor del Arte

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Der NÖ Regionalsender p3tv hat ein neues Sendeformat über die EU in sein Programm aufgenommen. Darin soll auch über Projekte berichtet werden, die mithilfe der Leader Region und gefördert durch EU-Mittel entstanden sind. Gleich bei der ersten Ausgabe war der Comedor del Arte als eines von drei Projekten mit dabei.

Franz Witzmann,  Alexandra Eichenauer-Knoll und Hossain Rezai wurden im Comedor interviewt. Elisabeth Hasler wurde in ihrem gemütlichen Nähcafe zu den gemeinsamen Nähprojekten befragt. Die Sendung kann online angesehen werden. Hier der Link dazu.

Ab Min 3.20 ist der Bericht über den Comedor del Arte:

(Deutsch) Über Topfenwickeln und Kartoffelauflagen

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Gabriele Latour hat am Freitag, den 5. April, beim Comedor-Frauentreff über heilsame Wickel und Auflagen gesprochen. Die gelernte Krankenschwester arbeitet beruflich als Lektorin an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege am UK St. Pölten. Fünf Frauen, die mit ein bis zwei Kleinkindern erschienen waren, interessierten sich für das Thema. Alexandra Eichenauer-Knoll, die während des Vortrags mit den Kindern spielte, befragte Gabriele Latour nachher über ihre Eindrücke.

Liebe Gabi, wie kam es zu der Idee, im Rahmen der Comedor-Frauenrunde über Topfenwickel & Co zu sprechen?

Wir haben uns im Bekanntenkreis unterhalten, da war auch eine Apothekerin dabei. Uns ist aufgefallen, dass Menschen, die zu uns geflüchtet sind, oft sehr rasch zu Medikamenten greifen oder medizinische Hilfe aufsuchen.

Was hattest du vorbereitet und warum?

In der Vorbereitung waren für mich folgende Punkte wichtig:

  • Wehwechen, die im Alltag auch mit Kindern am meisten auftreten,
  • Zutaten, die jeder meist zuhause hat ( Kartoffel, Zwiebel, Topfen),
  • einfache Durchführung bzw. Erklärung soll auch ohne dem Verstehen der deutschen Sprache möglich sein

Ich habe auch die Anleitung schriftlich vorbereitet, während dem Workshop ist mir aber erst bewusst geworden, dass das Nachlesen für einige gar nicht möglich ist.

Du unterrichtest beruflich in der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege am UK St.Pölten. In der Comedor-Runde waren Frauen, die gebrochen oder gar nicht Deutsch verstehen. Wie unterrichtet man da. Kommt die Botschaft trotzdem rüber?

Da geht es halt nur mit vorzeigen, ein Vortrag ist hier nicht sehr zielführend.
Wichtig ist auch, die Techniken durch die Frauen selbst durchführen zu lassen, sie angreifen zu lassen, sie selbst ausprobieren zu lassen. Mehrmaliges Wiederholen ist auch wichtig. Ja, und dann beobachten, ob das Erklärte verstanden wurde. Eine Frau hat versucht zu übersetzen.

Haben dir die Frauen auch erzählt, welche Hausmittel sie verwenden?

Ja, das interessiert mich sehr. Eine Frau hat erzählt, sie wenden so etwas wie einen Ölfleck bei Husten an und kühl-feuchte Auflagen auf der Stirn bei Fieber. Vielleicht ist aber auch durch ihre schwierigen Lebensumstände in der Heimat gar nicht mehr soviel Wissen weitergegeben worden. Einige haben beim ersten Treffen erzählt, dass sie gewohnt sind Medikamente zu bekommen und zu nehmen.

Diese jungen Frauen leben weit entfernt von zu Hause, ihren Müttern und einem sozialen Beratungsnetz. Hast du das Gefühl, dass sie das Thema interessiert hat bzw. wo könnte man weitermachen? Wo sind Lücken?

Einzelne waren sehr interessiert, für andere glaube ich steht im Vordergrund die Möglichkeit andere Frauen zu treffen, was auch ok ist.  Ich denke schon, dass sie Unterstützung brauchen, gerade auch mit den Kindern. Ich weiß nicht, ob diese Frauen die Möglichkeit haben zur Mutterberatung zu gehen. Das habe ich, wie meine Kinder Babys waren auch sehr hilfreich gefunden, wenn man Tipps von der Kinderkrankenschwester bekommt. In der Gesundheitsberatung gibt es sicher einigen Unterstützungsbedarf, besonders in der Selbstkompetenz. Wie kann ich mir bei Alltagsbeschwerden selbst helfen? Was ist für mich und meine Familie ungesund?  Zuckerhältige Lebensmittel und Getränke zum Beispiel. Auch Fragen der Lebensweise. Handys werden sehr kleinen Kindern überlassen, Fernsehkonsum etc.

Wenn du den Vormittag revue passieren lässt: wie würdest du die Stimmung im Comedor beschreiben?

Ich habe die Stimmung sehr locker und gelöst wahrgenommen. Sehr lebendig, auch durch das Beisein der Kinder.

Danke nochmals für dein Kommen!

 

 

 

 

Women’s meeting

Friday, Oct 18, 2019, from 9AM – 11AM

A morning for women, moms, and moms with young kids
– To chat about kindergarten in Austria
– Finger play with small children
– Nursery rhymes
and learning of vocabulary, so that moms can learn together with their children
I will bring nursery rhymes with pictures, so that understanding will be easier. I am looking forward to a cozy morning.


Lead: Dagmar Rosenkranz